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Filament-Guide für Einsteiger: PLA, PETG & Co.

PLA, PETG, ABS, TPU erklärt: Drucktemperaturen, Eigenschaften, Einsatzgebiete. Welches Filament für Anfänger? Worauf beim Kauf achten?

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3D AUS DU Redaktion
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26. Februar 2026
7 Min. Lesezeit
Filament-Guide für Einsteiger: PLA, PETG & Co.
Filament-Guide für Einsteiger: PLA, PETG & Co.

Moin Leute. Ihr habt euren ersten 3D-Drucker und jetzt steht ihr vor dem Filament-Regal und denkt: PLA, PETG, ABS, TPU, ASA, PA, PC... was zum Teufel soll ich nehmen? Keine Panik. In diesem Guide erklären wir euch jedes gängige Material, wann ihr es braucht und warum ihr als Anfänger mit genau einem starten solltet: PLA.

PLA: Das Einsteiger-Filament schlechthin

PLA (Polylactid) wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, meistens Maisstärke oder Zuckerrohr. Es ist das mit Abstand am einfachsten zu druckende Filament auf dem Markt und der Grund, warum so viele Leute beim 3D-Druck bleiben statt frustriert aufzugeben.

Die technischen Fakten: - Drucktemperatur Düse: 190-220°C (meistens 200-210°C als Sweetspot) - Drucktemperatur Bett: 50-60°C (funktioniert sogar ohne Heizbett) - Glasübergangstemperatur: ca. 60°C (ab hier wird das Teil weich!) - Schrumpfung: minimal (0,3-0,5%), daher kaum Warping - Geruch: leicht süßlich, für die meisten nicht störend - Enclosure nötig? Nein. Offener Drucker ist sogar besser (PLA mag Kühlung)

Warum PLA perfekt für den Einstieg ist: Es verzeiht Fehler. Temperatur 5 Grad zu hoch? Druckt trotzdem noch brauchbar. Bett nicht perfekt gelevelt? Haftet meist trotzdem. Erste Schicht etwas unsauber? Bei PLA oft kein Problem. Bei PETG oder ABS wäre das jeweils ein Fehlstart.

PLA-Varianten im Überblick:

- PLA+ / PLA Pro: Durch Additive (meistens Impact Modifier) deutlich zäher als Standard-PLA. Bricht nicht so schnell beim Falltest. Druckeinstellungen fast identisch. Für funktionale Teile die bessere Wahl. Ein solides Beispiel ist das Anycubic PLA Basic.

- Silk PLA: Hat einen auffälligen seidigen Glanz durch mineralische Zusätze. Sieht auf Vasen und Deko fantastisch aus, ist aber mechanisch schwächer als normales PLA. Bridging und Überhänge sind schlechter. Nur für optische Teile verwenden.

- Matte PLA: Diffuse, matte Oberfläche die Layer-Lines kaschiert. Ideal wenn ihr keine Nachbearbeitung (Schleifen, Lackieren) machen wollt. Mechanisch ähnlich wie Standard-PLA.

- High-Speed PLA: Speziell für Drucker die 300+ mm/s können. Niedrigere Schmelzviskosität, fließt besser durch die Düse bei hohem Durchsatz. Normale PLA-Sorten können bei extremen Geschwindigkeiten untextrudieren.

PETG: Der nächste Schritt

PETG (Polyethylenterephthalat Glycol-modifiziert) ist quasi der große Bruder von PLA. Stärker, hitzebeständiger, aber auch etwas zickiger im Druck.

Die technischen Fakten: - Drucktemperatur Düse: 230-250°C (meistens 235-245°C) - Drucktemperatur Bett: 70-85°C (zwingend nötig!) - Glasübergangstemperatur: ca. 80°C (deutlich besser als PLA) - Feuchtigkeitsempfindlich: Ja, stärker als PLA. Trocken lagern! - Geruch: minimal, ähnlich wie PLA - Enclosure nötig? Nicht zwingend, hilft aber bei großen Teilen

Wann PETG statt PLA? Wenn eure Teile mechanisch belastet werden (Clips, Halterungen, Gehäuse), draußen im UV-Licht stehen oder Temperaturen über 60°C ausgesetzt sind. PETG ist auch chemisch beständiger als PLA.

Die PETG-Tücken: Stringing. PETG zieht Fäden wie Mozzarella auf einer Pizza. Das kriegt ihr mit korrekter Retraction-Einstellung (4-6mm bei Bowden, 1-2mm bei Direct Drive) und niedrigerer Temperatur in den Griff, aber es braucht Geduld zum Einstellen. Außerdem: PETG haftet ZU gut auf manchen Druckplatten. PEI-Platten ohne Trennmittel (Klebestift, Haarspray) können beschädigt werden, weil PETG ein Stück der Beschichtung mit abreißt.

Solide PETG-Optionen zum Einsteigen:

FilamentGewichtPreisHighlight
PETG Filament Bulk Sale - Brown / 1KG1 kg10,84 EURPETG Einsteiger
PETG Filament Bulk Sale - Translucent Orange / 1KG1 kg10,84 EURPETG Einsteiger
PETG Filament Bulk Sale1 kg10,84 EURPETG Einsteiger
PETG Filament Bulk Sale1 kg10,84 EURPETG Einsteiger

ABS: Finger weg als Anfänger

Klartext: ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) ist KEIN Anfänger-Material. Punkt. Hier ist warum:

Die technischen Fakten: - Drucktemperatur Düse: 230-260°C - Drucktemperatur Bett: 95-110°C (muss richtig heiß sein) - Glasübergangstemperatur: ca. 105°C (dafür kauft man es) - Enclosure: ZWINGEND ERFORDERLICH (sonst Warping garantiert) - Dämpfe: Setzt Styrol-Dämpfe frei. Ventilation ist PFLICHT, nicht optional

ABS war jahrelang DAS Standard-Filament (LEGO-Steine sind aus ABS), aber in der Maker-Szene ist es weitgehend durch ASA und PETG abgelöst worden. Der einzige wirkliche Vorteil gegenüber PETG: Ihr könnt es mit Aceton glätten (Acetone Smoothing). Die Oberfläche wird dabei spiegelglatt und die Schichtlinien verschwinden komplett. Aber das ist ein fortgeschrittenes Thema.

Unser Rat: Wenn ihr unbedingt hitzebeständige Teile braucht und keinen Enclosure habt, schaut euch ASA an (ähnliche Eigenschaften wie ABS, aber weniger Warping und etwas weniger Dämpfe). Aber auch ASA ist kein Anfängermaterial.

TPU: Flexible Drucke für Fortgeschrittene

TPU (Thermoplastisches Polyurethan) ist DAS flexible Filament. Handyhüllen, Dichtungen, Vibrationsdämpfer, Stoßfänger für Drohnen, alles was sich biegen soll.

Die technischen Fakten: - Drucktemperatur Düse: 220-240°C - Drucktemperatur Bett: 40-60°C - Shore-Härte: Meistens 95A (fest-flexibel) oder 85A (richtig weich) - Druckgeschwindigkeit: LANGSAM! 20-30 mm/s, nicht schneller - Extruder: Direct Drive PFLICHT. Bowden-Extruder kann TPU nicht zuverlässig fördern, das flexible Filament knickt im langen Schlauch ab

Gute Einstiegsoptionen:

FilamentShoreGewichtPreis
Elegoo TPU 95A Red95A1000 g17,99 EUR
Elegoo TPU 95A Blue95A1000 g17,99 EUR
Elegoo TPU 95A Green95A1000 g17,99 EUR
Elegoo TPU 95A Black95A1000 g17,99 EUR

Die exotischen Materialien (nur zur Info)

Diese Filamente braucht ihr als Anfänger NICHT. Trotzdem gut zu wissen, was es gibt:

- ASA: UV-beständige ABS-Alternative. Braucht Enclosure, 240-260°C. Ideal für Outdoor-Teile (Gartendeko, Halterungen an der Hauswand). - Nylon (PA): Extrem fest und verschleißbeständig, aber absurd feuchtigkeitsempfindlich. Nylon saugt sich voll wie ein Schwamm (bis zu 8-10% seines Gewichts in Wasser). Ohne Trockner und Drybox undruckbar. 240-270°C, Enclosure Pflicht. - PC (Polycarbonat): Das stärkste gängige FDM-Material. 260-310°C Düsentemperatur, massives Warping, braucht einen All-Metal-Hotend. Nichts für Anfänger, nichts für günstige Drucker. - HIPS: Stützmaterial für ABS-Drucke. Löst sich in Limonene (Orangenöl-Lösungsmittel) auf. - PVA: Wasserlösliches Stützmaterial für PLA. Teil ins Wasser legen, Supports lösen sich auf. Braucht Dual-Extruder.

Worauf ihr beim Filament-Kauf achten müsst

1. Durchmesser: 1,75 mm ist DER Standard. 2,85 mm ist Legacy (alte Ultimaker, manche Prusa-Modelle). Wenn euer Drucker nicht ausdrücklich 2,85 mm braucht, kauft 1,75 mm.

2. Durchmesser-Toleranz: Das ist der unterschätzte Qualitätsfaktor. Gutes Filament hat eine Toleranz von ±0,02 mm. Das heißt, der Durchmesser schwankt nur minimal und euer Drucker extrudiert gleichmäßig. Billiges Filament hat ±0,05 mm oder schlimmer. Das merkt ihr an ungleichmäßigen Wänden und unvorhersehbarer Extrusion.

3. Feuchtigkeit: Neues Filament sollte vakuumverpackt mit Silica-Gel-Beutel kommen. Wenn die Verpackung offen oder das Filament spröde ist, Finger weg. Mehr zur richtigen Lagerung in unserem Filament-Lagerungsguide.

4. Marke vs. No-Name: Spart nicht am Filament. Der Unterschied zwischen einem 10-Euro-No-Name-Filament und einem 20-Euro-Markenfilament sind Welten. Konsistenter Durchmesser, saubere Wicklung auf der Spule, verlässliche Farbe zwischen Chargen und vor allem: trockene Lieferung. Marken wie eSUN, Polymaker, Prusament, Bambu Lab und Elegoo liefern durchweg gute Qualität.

Wie erkennt ihr schlechtes oder feuchtes Filament?

- Knacken und Knistern beim Drucken: Wasserdampfblasen im Filament platzen. Euer Filament ist nass. - Übermäßiges Stringing: Fäden zwischen allen Teilen obwohl Retraction stimmt? Filament zu feucht. - Raue, matte Oberfläche statt glatt: Feuchtigkeit. - Sprödes PLA das beim Biegen bricht statt sich zu biegen: Zu lang offen gelagert, Feuchtigkeit hat das Material degradiert. - Blasen im extrudierten Faden: Haltet mal den Faden gegen das Licht. Kleine Blasen = Feuchtigkeit. - Ungleichmäßige Extrusion: Mal dick, mal dünn, obwohl die Einstellungen stimmen? Inkonsistenter Durchmesser. Das Filament ist Schrott.

Unser Tipp: Fangt mit einer Rolle Anycubic PLA Basic oder einem vergleichbaren Marken-PLA in Weiß oder Schwarz an. Weiß zeigt Fehler am besten, Schwarz kaschiert sie. Sobald ihr mit PLA sicher seid, probiert PETG. Dann TPU. Dann alles andere. Schritt für Schritt.

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