Mehrfarbig und mit Effekten drucken – ganz ohne Filamentwechsel
Moin zusammen! Wer kennt es nicht: Man will coole, mehrfarbige oder glänzende Effekte auf dem Drukbett haben, aber hat keine Lust auf stundenlange Filamentwechsel oder teure Multimaterial-Systeme. Ich hab in letzter Zeit etliche Effekt- und Multicolor-Filamente durch meine Drucker gejagt, um zu sehen, was im Alltag wirklich taugt. Auf meinem Prüfstand landeten unter anderem Polymaker Panchroma CoPE, Panchroma CoPE Polymaker Teal, Polymaker Panchroma CoPE Steel, Elegoo PLA Silk Coral, Spectrum PLA Glitter Sparkle und GEEETECH PLA Sparkly.
Temperatur & Flow – Der Schlüssel zum Erfolg
Der erste kritische Punkt ist das Temperatur-Management. Wer denkt, man könne jedes Effekt-Filament einfach mit dem Standard-PLA-Profil bei 200 Grad drucken, wird schnell mit verstopften Nozzles oder katastrophaler Layerhaftung bestraft. Die Polymaker Panchroma CoPE Serie ist hier extrem spannend. Da es sich um ein Copolyester und nicht um Standard-PLA handelt, verzeiht es zwar niedrigere Temperaturen (der Hersteller gibt 190 bis 230 Grad an), aber für echtes High-Speed-Printing bis 400 mm/s gehe ich meist auf 220 Grad hoch, damit der Flow nicht abreißt.
Das Elegoo PLA Silk Coral braucht zwingend ein heißeres Hotend. Druckt man Silk zu kalt, verbinden sich die Schichten wegen der Elastomere im Material fast gar nicht. Beim Spectrum PLA Glitter Sparkle bin ich mit 210 Grad am besten gefahren – das sorgt dafür, dass die zugesetzten Glitzerpartikel sauber durch die Düse flutschen.
Haftung auf dem Druckbett
Was nützt der schönste Druck, wenn er sich beim ersten Überhang durch Warping verabschiedet? Die Copolyester-Mischungen wie Panchroma CoPE Polymaker Teal krallen sich förmlich an der PEI-Druckplatte fest. Ernsthaft, wartet hier unbedingt, bis das Bett komplett abgekühlt ist, oder nutzt ein Trennmittel wie Magigoo, sonst reißt ihr euch im schlimmsten Fall die Beschichtung runter.
Der Spectrum PLA Glitter Sparkle war da im ersten Layer etwas anspruchsvoller. Hier musste ich den Z-Offset wirklich penibel einstellen und bei filigranen Teilen einen Brim nutzen, damit die Ecken nicht hochgehen.
Mechanische Belastbarkeit & Bruchfestigkeit
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen massiv. Wenn ihr Funktionsteile druckt, die tatsächlich belastet werden, greift zum Polymaker Panchroma CoPE Steel. Das Material hat durch die CoPE-Basis eine enorme Schlagzähigkeit und hält mechanisch extrem viel aus.
Ganz anders sieht es beim Elegoo PLA Silk Coral aus. Seien wir ehrlich: Silk-Filamente sind strukturell bedingt reine Deko-Materialien. Die Layerhaftung auf der Z-Achse ist durch die glänzenden Zusätze deutlich schwächer als bei normalem PLA. Wenn man da einmal falsch ansetzt oder das Teil fallen lässt, knackt es sofort entlang der Schichten.
Oberfläche & Finish
Optisch machen sie alle was her, aber auf völlig unterschiedliche Weise. Während das Panchroma CoPE eine unglaublich cleane und fast schon seidenmatte, absolut gleichmäßige Oberfläche liefert, war ich vom GEEETECH PLA Sparkly wirklich überrascht. Entgegen der häufigen Annahme, dass Glitzerfilamente raue Wände erzeugen (wie es bei fasergefüllten Materialien oft der Fall ist), hat das Geeetech ein richtig seidiges, glattes Finish, das das Licht extrem cool reflektiert.
Feuchtigkeit – Der unsichtbare Feind
Ein riesiges Thema, das viele Beginner unterschätzen: Nasses Filament ruiniert jeden Druck. Gerade das Spectrum PLA Glitter Sparkle und die ganzen Silk-Materialien ziehen Feuchtigkeit wie ein Schwamm. Wenn es beim Drucken im Hotend anfängt zu knistern oder ihr extremes Stringing bekommt – ab in den Filamenttrockner damit! Das Copolyester von Polymaker ist da zwar einen Ticken toleranter, profitiert aber vor High-Speed-Drucken ebenfalls enorm von einer vorherigen Trocknung.
Mein Fazit für euch
Es gibt nicht das "eine" perfekte Filament für alles. Braucht ihr mechanisch stabile Bauteile, die trotzdem eine geile Optik und unfassbar gute Layerhaftung haben? Dann schaut euch die Panchroma CoPE Serie wie das Polymaker Panchroma CoPE an. Das ist aktuell für mich das Nonplusultra, wenn Performance auf Optik trifft.
Geht es euch rein um Deko-Objekte wie Vasen oder Büsten, sind das Elegoo PLA Silk Coral oder die Glitzer-Varianten super, solange ihr die Temperaturen leicht anhebt und keine mechanische Belastung erwartet.
Praxis-Tipp zum Schluss: Lasst euch nicht vom reinen Kilopreis blenden. Checkt vorher, wofür ihr das Teil braucht, kalibriert euren Flow penibel, levelt das Bett vernünftig und trocknet euer Filament. Dann klappt's auch mit den perfekten Layern! Happy Printing!